Aktuelles
Updates, Fallbeispiele und Wissenswertes
Was bewegt, was bildet, was berührt: In unserem Bereich „Aktuelles“ finden Sie regelmäßig neue Impulse im Kampf gegen Antisemitismus. Hier teilen wir frische Materialien, spannende Beiträge, Hinweise zu Veranstaltungen und Einblicke in Debatten, die gehört werden müssen. Ein Ort zum Stöbern, Nachdenken und Weiterlernen – immer im Puls der Zeit, nie losgelöst vom Jetzt.
Henny-Brenner-Preis für WOCHENSCHAU "Antisemitismus"
Das WOCHENSCHAU-Vertiefungsheft „Antisemitismus“ für die Sekundarstufe II ist am 16.12.25 in Berlin mit dem Henny-Brenner-Preis ausgezeichnet worden. Verliehen wird der Preis von Dr. Felix Klein, dem Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, sowie von der Kultusministerkonferenz. Die Jury würdigte das Heft als „inhaltlich hochaktuelles Lehrmaterial, das den komplexen Anforderungen an eine zeitgemäße Antisemitismusprävention gerecht wird“.
Zum Heft
Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 markierte einen drastischen Einschnitt – auch für Jüdinnen und Juden in Deutschland. Seitdem nehmen antisemitische Vorfälle spürbar zu, auf der Straße ebenso wie im digitalen Raum. Mit neuer Dringlichkeit stellt sich die Frage: Wie können Lehrkräfte dem Thema in der Schule begegnen?
Das Vertiefungsheft bietet Antworten auf diese Frage. Anhand konkreter Fallbeispiele beleuchtet es aktuelle Erscheinungsformen von Antisemitismus. Schülerinnen und Schüler lernen, antisemitische Stereotype und Narrative zu identifizieren – auch im Kontext israelbezogener Aussagen. Ein besonderer Fokus liegt auf Antisemitismus in sozialen Medien: Die Lernenden erarbeiten mögliche Strategien gegen Hate Speech, dekonstruieren ein antisemitisches Meme und erstellen in Kleingruppen ein Aufklärungs-Video zum Thema "Antisemitismus in Social Media". Dabei werden sie durch klar strukturierte, schrittweise Arbeitsaufträge unterstützt.
Die WOCHENSCHAU „Antisemitismus“ vermittelt das sensible Thema fachlich fundiert, differenziert und didaktisch durchdacht. Es stärkt Urteilskompetenz, fördert Medienkritik und ermutigt zur aktiven Auseinandersetzung – zentrale Voraussetzungen für eine demokratische Streitkultur.
Zum Henny-Brenner-Preis
Der Henny-Brenner-Preis zeichnet Schulbücher aus, die jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart sachgerecht darstellen und sich zugleich aktiv gegen Antisemitismus richten. Benannt ist der Preis nach Henny Brenner (1924–2020), einer Überlebenden der Shoah und engagierten Zeitzeugin, die für Erinnerung, Versöhnung und zivilgesellschaftliches Engagement stand.
Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust
Kurzimpulse zum 27. Januar – Erinnern im Schulalltag
Der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer des Holocaust stellt viele Lehrkräfte vor eine Herausforderung: Wie kann man erinnern, ohne zu überfordern? Wie kann man das Thema sensibel aufgreifen – auch dann, wenn wenig Zeit bleibt oder das Fach eigentlich ein anderes ist?
Die folgenden Kurzimpulse sind bewusst fächerunabhängig, altersgerecht und auf 10–15 Minuten ausgelegt. Sie eignen sich als Einstieg, als Moment des Innehaltens oder als bewusste Unterbrechung des Schulalltags. Im Mittelpunkt stehen nicht Zahlen oder Schockbilder, sondern Menschen, Sprache, Gefühle und Verantwortung heute.
Die Impulse sind nicht als vollständiger Unterricht zum Holocaust gedacht, sondern verstehen sich als Einladung zum Erinnern – und als Möglichkeit, Antisemitismus, Ausgrenzung und Wegsehen behutsam zum Thema zu machen. Sie können sie ohne große Vorbereitung einsetzen und an die eigene Lerngruppe anpassen.
Startpunkt: Lehrkraft zeigt Bild oder liest einen Vornamen + Alter eines jüdischen Kindes.
„Ein Name, ein Mensch“
- Impulsfrage: Was gehört alles zu einem Menschen außer seinem Namen?
"Ein- und ausgeschlossen"
- Impulsfrage: Wie fühlt sich Ausgeschlossen-sein an? Was hilft dagegen?
Startpunkt: Eine kurze Ich-Geschichte zum Thema "ausgeschlossen werden" (als jüdisches Kind) oder ein passendes Bild.
"Gefühle: damals & heute"
- passende Gefühlskarten zu Bild zuordnen
- Impulsfrage: Wie fühlt sich Ausgeschlossen-sein an? Was hilft dagegen?
"Helfen statt Wegsehen"
- Impulsfrage: Was kann ich tun? Warum ist es wichtig, dass ich nicht wegsehe?
Sprache wirkt
Sprache im Nationalsozialismus funktioniert wie Sprache heute
- Sammlung von Verben an Tafel: z.B. abwerten, Witze reißen, ausschließen, entmenschlichen, lächerlich machen, Angst schüren, Schuld zuschreiben
- Skala an der Tafel: harmlos – verletzend – ausgrenzend – gefährlich
- Impulsfrage: Wo auf der Skala landen welche Verben – und warum? & Was passiert mit Menschen, wenn so über sie gesprochen wird?
27. Januar – Warum erinnern?
- Kurze Info (30 Sek.): Warum dieser Tag?
- 3 Statements an der Tafel:
- „Das ist lange her.“
- „Das hat nichts mit mir zu tun.“
- „Erinnern ist wichtig.“
- Schüler:innen positionieren sich kurz (Daumen / Aufstehen)
- Impulsfrage: „Wenn wir heute erinnern – für wen oder wofür tun wir das eigentlich?“ & „Was passiert, wenn Gesellschaften aufhören zu erinnern?“
Warum erinnern?
Mögliche Impulsfragen:
- „Was passiert, wenn Gesellschaften aufhören zu erinnern?“
- „Gibt es auch eine Verantwortung für Menschen, die heute nicht betroffen sind?“
- „Wie zeigt sich Erinnerung heute – und wo vielleicht auch Gleichgültigkeit?“
Wegsehen ist auch eine Entscheidung
- „In einer Klasse wird eine Person immer wieder ausgegrenzt. Andere sehen das. Niemand sagt etwas. Welche Möglichkeiten haben die Menschen, die das beobachten?“
- Antworten sammeln
Weiterführende Impulsfragen:
- „Warum ist Wegsehen auch eine Entscheidung?“
- „Was macht Eingreifen manchmal schwierig?“
- „Was kann helfen, nicht wegzusehen?“
Eine Minute Stille – aber mit Bedeutung
- „Heute erinnern wir an Menschen, die ausgegrenzt und ermordet wurden.“
- 30-60 Sekunden Stille
- Was ging dir durch den Kopf?
Ein Gedanke für den Tag
- Lehrkraft liest ein kurzes Zitat (z. B. von Überlebenden, sehr knapp)
- „Das bedeutet für mich heute …“
Ein Licht füreinander
Haltung zeigen in der Dunkelheit
Wenn sich das Kalenderjahr seinem Ende zuneigt und die Kerzen für Feste leuchten, entsteht ein besonderer Moment des Innehaltens. Doch diese Zeit der Besinnung steht auch im Schatten einer Entwicklung, die uns alle wachrütteln muss: Seit zwei Jahren nimmt Antisemitismus spürbar zu – offen, unterschwellig, im Alltag wie im öffentlichen Raum. Das fordert uns als Gesellschaft heraus. Es liegt an uns allen, hinzusehen, zuzuhören und unsere Mitmenschen zu unterstützen, damit Ausgrenzung und Hass keinen Platz finden. Miteinander beginnt dort, wo wir Verantwortung füreinander übernehmen und Menschlichkeit aktiv leben.
Die schrecklichen Ereignisse von Bondi Beach führen uns schmerzhaft vor Augen, wohin Hass, Verrohung und Gleichgültigkeit führen können. Sie erfüllen uns mit Trauer und Bestürzung – und zugleich mit der dringenden Erinnerung, dass Zusammenhalt kein abstrakter Wert ist, sondern eine tägliche Aufgabe. Jede ist von uns ist gefragt - indem wir im Alltag aufmerksam sind und Haltung zeigen; indem wir antisemitischen Äußerungen widersprechen, statt zu schweigen; indem wir jüdischen Mitmenschen zuhören, ihre Perspektiven ernst nehmen und Solidarität zeigen.
Ein Licht zu sein heißt nicht, perfekt zu handeln, sondern präsent zu sein: mit Respekt, Zivilcourage und der Bereitschaft, füreinander einzustehen. So kann aus vielen kleinen Gesten ein starkes Zeichen gegen Hass und für ein echtes Miteinander werden. Und gerade weil diese Verantwortung uns alle betrifft, lasst uns einander Licht sein – dort, wo Dunkelheit Raum gewinnen will, und so gemeinsam schützen, was unsere Menschlichkeit ausmacht.
Tacheles
Das sächsische Themenjahr beginnt!
Aus dem Newsletter des Projektteams:
"[E]s ist soweit! Nach 27 Monaten intensiver Vorbereitung beginnt am 14. Dezember | 25. Kislev das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen, gleichzeitig mit dem Beginn des Chanukka-Festes. Ausgehend von der Idee eines Museums zur jüdischen Geschichte Sachsens entwickelte sich der Gedanke, in einem landesweiten Themenjahr die reiche jüdische Kultur im gesamten Freistaat zu feiern. Dabei geht es nicht allein um die Vergangenheit, sondern auch um das heutige jüdische Leben."
Zeitraum: 14.12.2025-12.12.2026
"Bereits jetzt sind auf der Tacheles-Homepage 197 Veranstaltungen und Angebote für das Themenjahr von 55 Akteuren registriert. Da Kulturarbeit dynamisch ist, wächst das Programm stetig weiter und so kommen auch nach dem Start des Themenjahres Veranstaltungen und Angebote hinzu."
Jüdisches Leben in Sachsen
Flyer des SMK
Das Sächsische Staatsministerium für Kultus hat einen Flyer zu jüdischem Leben in Sachsen vorbereitet, der eine reiche Anzahl an Materialien und Angeboten zum Thema bereithält. Konkret können dort sowohl Bildungsangebote als auch Fortbildungen sowie informative und interaktive weiterführende Materialien. Ein Blick darauf lohnt sich!
Neues Yad Vashem-Zentrum
Vielleicht in Sachsen?
Yad Vashem wagt den Schritt zu einer Außenstelle in Deutschland. Momentan sind drei Bundesländer in der engeren Auswahl: darunter Sachsen. Die endgültige Entscheidung über den Standort wird voraussichtlich 2026 gefällt; das Zentrum will seine Arbeit zwei bis drei Jahre darauf aufnehmen.
Besonders zu betonen ist, dass es sich nicht um eine Gedenkstätte handeln soll, sondern der Fokus auf Bildung und auf der Perspektive der Opfer liegen soll.