Feiern und Gedenken: Ein Kalender des Lebens und der Erinnerung
Den Jahresverlauf jüdischer Gemeinschaften nachvollziehen
Jüdische Feiertage und Gedenktage prägen den Rhythmus des Jahres in jüdischen Gemeinschaften – in Deutschland, Israel und weltweit. Sie verbinden Tradition, Erinnerung und gegenwärtiges Leben. Während die Feiertage wie Rosch Haschana, Pessach oder Schawuot die Geschichte, Werte und Freude des jüdischen Lebens feiern, erinnern Gedenktage wie Jom HaSchoah oder der Internationale Holocaust-Gedenktag an unsere Verantwortung, die Vergangenheit wachzuhalten.
Diese Liste lädt dazu ein, den jüdischen Jahresverlauf kennenzulernen: als Chance, Vielfalt zu verstehen, Brücken zu bauen und gemeinsam an eine Zukunft zu erinnern, die von Respekt und Bewusstsein geprägt ist. Ob im persönlichen Gespräch, in der Bildungsarbeit oder als Anregung für interreligiösen Austausch – das Wissen um diese Tage schafft Verbindung.
Jüdische Feiertage
DIE NAMEN DER MONATE:
- Tischri (September-Oktober) 30 Tage
- Cheschwan (Oktober-November 29 bzw. 30 Tage
- Kislew (November-Dezember) 30 bzw. 29 Tage
- Tewet (Dezember-Januar) 29 Tage
- Schwat (Januar-Februar) 30 Tage
- Adar (Februar-März) 29 Tage; im Schaltjahr wird hier ein zweiter Adar eingefügt
- Nissan (März-April) 30 Tage
- Ijar (April-Mai) 29 Tage
- Siwan (Mai-Juni) 30 Tage
- Tammus (Juni-Juli) 29 Tage
- Aw (Juli-August) 30 Tage
- Elul (August-September) 29 Tage
Jüdische Feiertage bzw. der Tag im Judentum beginnt bereits am Vorabend und endet am nächsten Tag kurz nach Einbruch der Dunkelheit.
| Feiertag | Jüdisches Datum | Gregorianischer Kalender |
|---|---|---|
| Rosh Hashanah | 1.–2. Tishrei | Neujahrsfest: Reflexion, Apfel mit Honig, Schofar-Blasen. |
| Yom Kippur | 10. Tishrei | Versöhnungstag: Fasten, Gebet, Reue. |
| Sukkot | 15.–21. Tishrei | Laubhüttenfest: Bau von Sukkahs, Erinnerung an die Wüstenwanderung. |
| Simchat Torah | 22. Tishrei | Freude der Tora: Toralesung, Tanz mit der Torarolle. |
| Chanukkah | 25. Kislev – 2. Tevet | Lichterfest: Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels, Kerzenanzünden. |
| Tu BiSchwat | 15. Schwat | Neujahr der Bäume: ökologisches Bewusstsein, Obst und Nüsse essen. |
| Purim | 14. Adar | Fest der Losung: Verkleidungen, Lesung der Esther-Rolle. |
| Pessach | 15.–22. Nissan | Fest der Befreiung: Sederabend, Matzot essen. |
| Schawuot | 6.–7. Sivan | Wochenfest: Toragabe am Berg Sinai, Milchprodukte. |
| Tischa BeAv | 9. Av | Trauertag: Fasten, Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem. |
Purim - Geschichte, Mut und Identität
14. Adar - 03.März 2026
Purim ist ein fröhliches jüdisches Fest, das an die Rettung der Jüdinnen und Juden im Persischen Reich erinnert. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Königin Esther, die als Jüdin ihre Identität zunächst verbergen musste. Als sie vom Vernichtungsplan des königlichen Beraters Haman erfuhr, riskierte sie ihr Leben: Unangekündigt trat sie vor den König – ein Vergehen, das mit dem Tod bestraft werden konnte. Doch sie enthüllte Hamans Plan und ihre eigene jüdische Herkunft. Durch ihren Mut wurde das jüdische Volk gerettet, Haman hingegen zum Tode verurteilt.
Der Name „Purim“ (hebr. für „Lose“) bezieht sich auf das Los, das Haman warf, um den Tag der Vernichtung zu bestimmen. Statt Trauer wurde dieser Tag zum Fest der Umkehr und der Freude.
Kernbräuche:
- Verkleidungen – Erinnerung an Esthers Mut und die Umkehrung des Schicksals.
- Lesung der Esther-Rolle in der Synagoge: Beim Namen „Haman“ wird mit Rasseln Lärm gemacht, um sein Andenken zu „vernichten“.
- Festmahl mit Familie und Freunden, oft mit Hamantaschen (dreieckige Mohn- oder Schokoladentaschen).
- Gaben an Bedürftige und Speisenspenden an Freunde – Purim betont Gemeinschaft und Freude.
Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Purim - Geschichte, Mut und Identität
Gedenken
| Gedenktag | Datum | Bedeutung |
|---|---|---|
| Internationaler Holocaust-Gedenktag | 27. Januar | Weltweites Gedenken an die Befreiung von Auschwitz |
| Jom HaShoah | 27. Nissan | Holocaust-Gedenktag in Israel: Sirenenstillstand, Zeremonien, Erinnerung an die Opfer und Helden. |
| March of the Living | ~ April | Gedenkmarsch von Auschwitz nach Auschwitz-Birkenau mit angebundenem Bildungsprogramm |
| Tag der ??? | 08. Mai | Anregung zum Nachdenken über die deutsche Täterschaft |
| Gedenken an die Reichspogromnacht | 09.-10. November | Erinnerung an die Novemberpogrome 1938 |