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Feiern und Gedenken: Ein Kalender des Lebens und der Erinnerung

Den Jahresverlauf jüdischer Gemeinschaften nachvollziehen

Jüdische Feiertage und Gedenktage prägen den Rhythmus des Jahres in jüdischen Gemeinschaften – in Deutschland, Israel und weltweit. Sie verbinden Tradition, Erinnerung und gegenwärtiges Leben. Während die Feiertage wie Rosch Haschana, Pessach oder Schawuot die Geschichte, Werte und Freude des jüdischen Lebens feiern, erinnern Gedenktage wie Jom HaSchoah oder der Internationale Holocaust-Gedenktag an unsere Verantwortung, die Vergangenheit wachzuhalten.

Diese Liste lädt dazu ein, den jüdischen Jahresverlauf kennenzulernen: als Chance, Vielfalt zu verstehen, Brücken zu bauen und gemeinsam an eine Zukunft zu erinnern, die von Respekt und Bewusstsein geprägt ist. Ob im persönlichen Gespräch, in der Bildungsarbeit oder als Anregung für interreligiösen Austausch – das Wissen um diese Tage schafft Verbindung.

Jüdische Feiertage

DIE NAMEN DER MONATE:

  1. Tischri (September-Oktober) 30 Tage
  2. Cheschwan (Oktober-November 29 bzw. 30 Tage
  3. Kislew (November-Dezember) 30 bzw. 29 Tage
  4. Tewet (Dezember-Januar) 29 Tage
  5. Schwat (Januar-Februar) 30 Tage
  6. Adar (Februar-März) 29 Tage; im Schaltjahr wird hier ein zweiter Adar eingefügt
  7. Nissan (März-April) 30 Tage
  8. Ijar (April-Mai) 29 Tage
  9. Siwan (Mai-Juni) 30 Tage
  10. Tammus (Juni-Juli) 29 Tage
  11. Aw (Juli-August) 30 Tage
  12. Elul (August-September) 29 Tage

Jüdische Feiertage bzw. der Tag im Judentum beginnt bereits am Vorabend und endet am nächsten Tag kurz nach Einbruch der Dunkelheit. 

Jüdische Traditionen und Rhythmen des Jahres

Pessach, Schawuot und Sukkot gehören zu den drei Wallfahrtsfesten Israels. An ihnen „sollen alle deine Männer vor dem Antlitz des Herrn erscheinen“, so steht es im Schemot, dem 2. Buch Mose, (Schemot, 34:23). In biblischen Zeiten brachte man daher Opfergaben (die Erstlinge der Ernte) zum Tempel von Jerusalem und überreichte sie den Priestern. Auch heute sollen praktizierende Jüdinnen und Juden sich auf den Weg nach Israel machen. 

Pessach, Schawuot und Sukkot gehören zu den drei Wallfahrtsfesten Israels. An ihnen „sollen alle deine Männer vor dem Antlitz des Herrn erscheinen“, so steht es im Schemot, dem 2. Buch Mose, (Schemot, 34:23). In biblischen Zeiten brachte man daher Opfergaben (die Erstlinge der Ernte) zum Tempel von Jerusalem und überreichte sie den Priestern. Auch heute sollen praktizierende Jüdinnen und Juden sich auf den Weg nach Israel machen. 

Feiertag Jüdisches Datum Gregorianischer Kalender
Rosh Hashanah 1.–2. Tishrei Neujahrsfest: Reflexion, Apfel mit Honig, Schofar-Blasen.
Yom Kippur 10. Tishrei Versöhnungstag: Fasten, Gebet, Reue.
Sukkot 15.–21. Tishrei Laubhüttenfest: Bau von Sukkahs, Erinnerung an die Wüstenwanderung.
Simchat Torah 22. Tishrei Freude der Tora: Toralesung, Tanz mit der Torarolle.
Chanukkah 25. Kislev – 2. Tevet Lichterfest: Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels, Kerzenanzünden.
Tu BiSchwat 15. Schwat Neujahr der Bäume: ökologisches Bewusstsein, Obst und Nüsse essen.
Purim 14. Adar Fest der Losung: Verkleidungen, Lesung der Esther-Rolle.
Pessach 15.–22. Nissan Fest der Befreiung: Sederabend, Matzot essen.
Schawuot 6.–7. Sivan Wochenfest: Toragabe am Berg Sinai, Milchprodukte.
Tischa BeAv 9. Av Trauertag: Fasten, Erinnerung an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem.

Gedenken

Erinnerung und Verantwortung
Gedenktag Datum Bedeutung
Internationaler Holocaust-Gedenktag 27. Januar Weltweites Gedenken an die Befreiung von Auschwitz
Jom HaShoah 27. Nissan Holocaust-Gedenktag in Israel: Sirenenstillstand, Zeremonien, Erinnerung an die Opfer und Helden.
March of the Living ~ April Gedenkmarsch von Auschwitz nach Auschwitz-Birkenau mit angebundenem Bildungsprogramm
Tag der ??? 08. Mai Anregung zum Nachdenken über die deutsche Täterschaft
Gedenken an die Reichspogromnacht 09.-10. November Erinnerung an die Novemberpogrome 1938

Purim - Geschichte, Mut und Identität

14. Adar - 03.März 2026

Purim ist ein fröhliches jüdisches Fest, das an die Rettung der Jüdinnen und Juden im Persischen Reich erinnert. Im Mittelpunkt steht die Geschichte der Königin Esther, die als Jüdin ihre Identität zunächst verbergen musste. Als sie vom Vernichtungsplan des königlichen Beraters Haman erfuhr, riskierte sie ihr Leben: Unangekündigt trat sie vor den König – ein Vergehen, das mit dem Tod bestraft werden konnte. Doch sie enthüllte Hamans Plan und ihre eigene jüdische Herkunft. Durch ihren Mut wurde das jüdische Volk gerettet, Haman hingegen zum Tode verurteilt.

Der Name „Purim“ (hebr. für „Lose“) bezieht sich auf das Los, das Haman warf, um den Tag der Vernichtung zu bestimmen. Statt Trauer wurde dieser Tag zum Fest der Umkehr und der Freude.

Kernbräuche:

  • Verkleidungen – Erinnerung an Esthers Mut und die Umkehrung des Schicksals.
  • Lesung der Esther-Rolle in der Synagoge: Beim Namen „Haman“ wird mit Rasseln Lärm gemacht, um sein Andenken zu „vernichten“.
  • Festmahl mit Familie und Freunden, oft mit Hamantaschen (dreieckige Mohn- oder Schokoladentaschen).
  • Gaben an Bedürftige und Speisenspenden an Freunde – Purim betont Gemeinschaft und Freude.

 

Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Purim - Geschichte, Mut und Identität

Pessach

15.–22. Nissan - 02.-09. April 2026

Befreiung feiern, Freiheit erleben


Pessach ist eines der wichtigsten jüdischen Feste und erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten – den Übergang von Sklaverei zu Freiheit. Die Geschichte, erzählt im 2. Buch Mose, handelt von Unterdrückung, Mut und Befreiung: Der Pharao hält das jüdische Volk in Knechtschaft, doch mit Gottes Hilfe und durch Moses‘ Führung gelingt die Flucht. Das Rote Meer teilt sich, das Volk Israel zieht hindurch – seitdem feiern Jüdinnen und Juden jedes Jahr im Frühjahr ihre Befreiung.

Kernbräuche:

  • Seder-Abend: Ein ritualisiertes Mahl am ersten Abend der Pessach-Zeit, bei dem aus der Haggada (Buch mit dem Leitfaden für den Abend, Liedern, Gebeten und Erzählungen) vorgelesen, gesungen und die Geschichte mit allen Sinnen erlebt wird.
  • Seder-Teller: Symbolische Speisen wie:
    • Karpas ist Petersilie oder ein anderes erdnahes Kraut, z.B. auch Kartoffel, Radieschen oder Sellerie. Es soll an den Frühling erinnern. Die Kinder am Tisch werden neugierig und angeregt, Fragen zum Sedermahl stellen, da dieses Grünkraut ohne Segensspruch gegessen wird. Hiermit beginnt das Sedermahl.
    • Salzwasser steht für die Tränen, die die Israeliten in Ägypten vergossen haben. Während der Zeremonie wird Karpas in das Salzwasser getunkt.
    • Mazza ist das Brot der Armut und erinnert an die Eile beim Auszug aus Ägypten.
    • Maror oder Chaseret sind bittere Kräuter wie frisch geriebener Meerrettich, Chicorée- oder Endiviensalatblätter. Sie erinnern daran, wie bitter und schwer das Leben in der Sklaverei in Ägypten war.
    • Charoset ist eine Mischung aus Wein, Äpfeln und Nüssen. Sie erinnert an den Lehm für die Ziegelsteine, die die Juden in Ägypten herstellen mussten.
    • Bejza ist ein hart gekochtes Ei. Es erinnert an ein spezielles Zusatzopfer, das für die Wallfahrtsfeste im Tempel gebracht wurde.
    • Seroa ist ein angebratener Knochen. Er erinnert an das Lamm als Pessachopfer in der Pessachnacht.

 

Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Pessach - Befreiung feiern, Freiheit erleben

Yom HaShoah

27. Nissan - 14. April 2026

Der Gedenktag für die Märtyrer und Helden des Holocaust (hebr. „Yom HaShoah") ist ein nationaler Gedenktag in Israel, an dem der sechs Millionen Juden gedacht wird, die im Holocaust ermordet wurden. Er ist ein würdevoller Tag, der nach jüdischer Tradition am 27. Nissan bei Sonnenuntergang beginnt und am Abend des darauffolgenden Tages endet. 

Am Morgen ertönt eine Sirene, die zwei Minuten lang im ganzen Land zu hören ist. Während ihrer Dauer wird alle Arbeit angehalten, Fußgänger bleiben stehen, Autos halten am Straßenrand, und alles steht still, um den Opfern des Holocaust Respekt zu zollen. Danach legen Würdenträger und Repräsentanten von Überlebendenverbänden und –institutionen zu Füßen der sechs Fackeln Kränze nieder. Vergnügungsstätten bleiben geschlossen, und im ganzen Land werden Gedenkveranstaltungen abgehalten. Gleiches gilt für Schulen, Militärbasen, Stadtverwaltungen und Arbeitsplätze. Den ganzen Tag hindurch senden Fernsehen und Radio Programme über den Holocaust. 

Ideen für den Unterricht finden Sie hier: Yom HaShoah - Gedenktag der Helden und Märtyrer

Shawuot

06.-07. Sivan - 22.-23. Mai 2026

Shavuot – Das Fest der Offenbarung
Shavuot (hebr. „Wochen“) ist eines der drei großen jüdischen Pilgerfeste und findet sieben Wochen nach Pessach statt – daher auch der Name „Wochenfest“. Es hat zwei zentrale Bedeutungen:

  1. Erntefest: Ursprünglich ein Dankfest für die Weizenernte in Israel. Traditionell isst man an Shavuot Milchprodukte (z. B. Käsekuchen), weil die Tora mit „Milch und Honig“ als Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand verbunden wird.
  2. Offenbarung der Tora: An Shavuot erinnert das Judentum an die Gabe der Zehn Gebote am Berg Sinai – ein Moment, in dem das jüdische Volk eine besondere Verbindung zu Gott und zur Tora einging.

Die sieben Wochen zwischen Pessach und Schawuot entsprechen der Zeitspanne, während der sich die Israelitinnen und Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste aufhielten und sich auf den Empfang der Tora am Berg Sinai vorbereiteten. In dieser Zeit findet das sogenannte Omer-Zählen (Sefirat ha-Omer) statt. „Omer“ bezeichnet die „Garben“ bei der ersten Ernte im Frühling. Sie wurden zu Zeiten des Tempels als Opfer am zweiten Tag des Pessachfests dargebracht.

Das Omer-Zählen verdeutlicht die besondere Verbindung zwischen den beiden Feiertagen: Pessach steht für die physische Befreiung und Schawuot für die geistige. Der moralische Standard des jüdischen Volks war in der Zeit der Sklaverei in Ägypten auf ein niedriges Niveau gesunken. So ist die Zeit zwischen Pessach und Schawuot als Zeit des Wachstums und der Weiterentwicklung zu sehen, um überhaupt fähig zu sein, die Tora zu empfangen. Die 49 Tage der Omer-Zeit stehen auch für die 49 Tore der Umkehr.

Traditionell werden an Schawuot milchige Speisen gegessen, wie zum Beispiel Pfannkuchen, Käsekuchen, Pizza oder Quiche. Bis das Volk Israel die ersten Gebote empfing, kannte es noch keine speziellen Speisegesetze (Kaschrut) - diese wurden zusammen mit den 10 Geboten eingeführt. 

Im Hohelied Salomos wird die Tora mit Honig und Milch verglichen. Am Tag der Gesetzgebung erinnert man sich an diese Worte, indem man isst, womit die Tora verglichen wurde.

Das hebräische Wort für Milch – Chalaw – hat einen Zahlenwert von vierzig. Damit wird an die vierzig Tage und Nächte erinnert, die Moses auf dem Berg Sinai verbrachte, bis er die Steintafeln mit den Zehn Geboten erhielt. 

Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Shawuot - Das Fest der Offenbarung

Tischa BeAw

09. Aw - 22.-23. Juli 2026

Tischa BeAw – Der Tag der Trauer und des Erinnerns

Tischa BeAw ist der jüdische Fasten- und Trauertag, an dem der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels in Jerusalem sowie weiterer historischer Katastrophen in der jüdischen Geschichte gedacht wird. Er fällt auf den 9. Aw (meist Juli oder August) und ist einer der wichtigsten Trauertage im jüdischen Kalender. An diesem Tag verzichten religiöse Jüdinnen und Juden auf Essen, Trinken, Freudenzeichen und sogar auf das Tragen von Lederschuhen. Stattdessen wird auf dem Boden gesessen, die Klagelieder Jeremias (Megillat Eichah) werden gelesen, und es wird über den Verlust des Tempels, der als spirituelles Zentrum des jüdischen Volkes galt, getrauert. Tischa BeAw ist ein Tag, der zeigt, wie Geschichte und Identität miteinander verbunden sind – und wie Trauer Gemeinschaft stiften kann. 

Tischa BeAw ist kein offizieller Feiertag in Israel, sondern regulärer Arbeitstag.

Mit seinen ritualisierten Trauerbräuchen bietet Tischa B’Av Anknüpfungspunkte für den Unterricht, um über Kollektivgedächtnis, Widerstandsfähigkeit und die Bedeutung von Orten der Erinnerung zu sprechen.

Rosch HaSchana

11.-13. September 2026

Rosch HaSchana: Das Fest des Neustarts und der Hoffnung

Rosch HaSchana, das jüdische Neujahrsfest, markiert den Beginn eines neuen Jahres im jüdischen Kalender und ist eines der wichtigsten Feste der jüdischen Tradition. Es fällt auf den 1. und 2. Tischri (meist in den Monaten September oder Oktober) und ist nicht nur ein Tag des Feierns, sondern auch der Reflexion, des Neuanfangs und der Hoffnung. Im Gegensatz zu vielen anderen Neujahrsfeiern steht bei Rosch HaSchana nicht nur der Kalenderwechsel im Mittelpunkt, sondern auch die Erinnerung an die Schöpfung der Welt und die Möglichkeit, das eigene Leben und Handeln zu überdenken.

Die Bedeutung von Rosch HaSchana: Neustart und Umkehr

Rosch HaSchana ist eng mit dem Konzept der Teschuva (Umkehr oder Rückkehr) verbunden. Es ist eine Zeit, in der Jüdinnen und Juden über das vergangene Jahr nachdenken, Fehler bereuen und sich Vorsätze für das neue Jahr setzen. Diese zehn Tage der Umkehr gipfeln in Jom Kippur, dem Tag der Sühne, an dem die Gläubigen um Vergebung für ihre Sünden bitten.

Ein zentrales Element von Rosch HaSchana ist das Blasen des Shofars (Widderhorn). Sein Klang soll die Menschen aufwecken – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Er erinnert daran, dass es Zeit ist, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und sich auf einen Neustart vorzubereiten. Der Klang des Shofars ist ein Weckruf, der die Gemeinschaft dazu aufruft, sich ihrer Verantwortung gegenüber Gott, sich selbst und der Gesellschaft bewusst zu werden.

Bräuche und Symbole: Süße Hoffnung für das neue Jahr

Rosch HaSchana ist reich an Symbolen und Bräuchen, die Hoffnung und Neuanfang ausdrücken:

  • Äpfel und Honig: Eines der bekanntesten Symbole ist das Essen von Apfelstücken, die in Honig getaucht werden. Dies steht für den Wunsch, dass das neue Jahr süß und gut sein möge. Der Segen „Schana Tova“ („Ein gutes Jahr“) begleitet diesen Brauch.
  • Granatäpfel: Auch Granatäpfel werden oft gegessen, da sie in der jüdischen Tradition als Symbol für Fruchtbarkeit und viele gute Taten gelten.
  • Rundes Challah-Brot: Anstelle des üblichen geflochtenen Challahs wird an Rosch HaSchana ein rundes Challah-Brot serviert, das den Kreislauf des Jahres und die Unendlichkeit der Hoffnung symbolisiert.
  • Taschlich: Am Nachmittag des ersten Tages von Rosch HaSchana gehen viele Jüdinnen und Juden zu einem Gewässer, um das Taschlich-Ritual durchzuführen. Dabei werden symbolisch die Sünden des vergangenen Jahres in das Wasser geworfen – ein Akt der Reinigung und des Neuanfangs.

Rosch HaSchana als Fest der Gemeinschaft

Rosch HaSchana wird in der Gemeinschaft gefeiert. In der Synagoge finden lange Gebetsgottesdienste statt, in denen besondere Gebete wie das „Unetane Tokef“ (ein eindrucksvolles Gedicht über das Schicksal der Menschen) und das „Avinu Malkeinu“ (ein Gebet um Barmherzigkeit) gesungen werden. Diese Gebete betonen die Verantwortung des Einzelnen und die Hoffnung auf ein gutes Jahr.

Nach den Gebeten versammeln sich Familien, Freundinnen und Freunde zu festlichen Mahlzeiten, bei denen traditionelle Gerichte serviert werden. Diese Mahlzeiten sind nicht nur eine Gelegenheit, Zeit mit Lieben zu verbringen, sondern auch ein Ausdruck der Dankbarkeit und Hoffnung für das kommende Jahr.

Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Rosch HaSchana: Neustart feiern – Verantwortung übernehmen

Schana Tova – ein gutes, süßes und gesundes Jahr! 🍎🍯

Jom Kippur

20. September - 21. September 2026

Jom Kippur (hebräisch: יום כיפור) ist der höchste und heiligste Feiertag im Judentum. Er wird auch Versöhnungstag genannt und bildet den Höhepunkt der „Zehn Tage der Umkehr“ (zwischen Rosch HaSchana und Jom Kippur), in denen Jüdinnen und Juden ihr Handeln reflektieren und um Vergebung bitten.

Jom Kippur findet am 10. Tag des jüdischen Monats Tischri statt und beginnt am Vorabend bei Sonnenuntergang. Im Jahr 2026 fällt der Feiertag auf:
Sonntag, 20. September (abends) bis Montag, 21. September (abends).

Jom Kippur ist der Tag der Reue und Versöhnung – mit Gott und mit den Mitmenschen. Die zentrale Idee: Gott vergibt die Sünden, wenn sie aufrichtig bereut werden. Es geht darum, Verantwortung für eigenes Fehlverhalten zu übernehmen, Vergebung zu erbitten und neu anzufangen. Traditionell gilt, dass an diesem Tag das „Urteil“ über das kommende Jahr besiegelt wird, das am Neujahrsfest Rosch HaSchana gefällt wurde.

Bräuche und Symbole

1. Strenges Fasten
  • 25 Stunden (von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang) wird vollständig gefastet – auch kein Wasser. Zusätzlich verzichten Gläubige auf Körperpflege, Lederschuhe und sexuelle Aktivität, um sich ganz auf das Spirituelle zu konzentrieren.
2. Gebete in der Synagoge
  • Der Tag ist geprägt von intensivem Gebet in der Synagoge. Fünf besondere Gottesdienste strukturieren den Tag, darunter:
    • Kol Nidre (Abendgebet, das alle Gelübde des kommenden Jahres für nichtig erklärt).
    • Ne’ila (Schlussgottesdienst mit dem Shofar, dem Widderhorn, das den Abschluss des Festes verkündet).
    • Lesung des Buches Jona (Symbol für Umkehr und Vergebung).
3. Sündenbekenntnis
  • Das kollektive Sündenbekenntnis („Aschamnu“) wird mehrmals gebetet. Dabei werden alle erdenklichen Sünden aufgezählt – nicht individuell, sondern als Gemeinschaft. Ohne echte Reue sind Fasten und Gebete wirkungslos.
4. Weiße Kleidung
  • Viele tragen weiße Gewänder, die Reinheit und Neuanfang symbolisieren.
     

    Möge dieser Tag für alle, die ihn begehen, eine Quelle der Klarheit und des Friedens sein.

Sukkot

26. September - 02. Oktober 2026

Sukkot – Das jüdische Laubhüttenfest

Sukkot, auch Laubhüttenfest genannt, ist eines der drei jüdischen Wallfahrtsfeste (neben Pessach und Schawuot) und zählt zu den fröhlichsten Feiertagen im jüdischen Kalender. Es verbindet Erntedank mit der Erinnerung an die 40-jährige Wüstenwanderung der Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten. Während dieser Zeit lebten sie in einfachen Hütten und waren auf Gottes Schutz angewiesen. Sukkot steht also für Dankbarkeit, Vertrauen und die Vergänglichkeit irdischer Sicherheit.

Sukkot beginnt am 15. Tag des jüdischen Monats Tischri und dauert sieben Tage. Im Jahr 2026 fällt das Fest auf:

Sonntag, 26. September bis Freitag, 2. Oktober 2026

In Israel ist nur der erste Tag ein voller Feiertag, in der Diaspora (z. B. Deutschland) werden oft die ersten beiden Tage als vollwertige Feiertage begangen. 

Sukkot hat eine dreifache Bedeutung:

  1. Historisch: Es erinnert an die Wüstenwanderung der Israeliten, die ohne feste Häuser in Hütten lebten und auf Gottes Schutz vertrauten.
  2. Landwirtschaftlich: Als Erntedankfest wird für die erfolgreiche Lese gedankt – besonders in Israel, wo die Erntezeit im Herbst endet.
  3. Spirituell: Die Hütten symbolisieren Demut und die Abhängigkeit von göttlicher Fürsorge. Sukkot lehrt uns, dass wahre Sicherheit nicht in materiellem Besitz, sondern in Vertrauen und Gemeinschaft liegt.

Bräuche und Symbole

1. Die Sukka (Laubhütte)

  • Bau einer Sukka: Für die Dauer des Festes wird eine provisorische Hütte aus Holz, Stoff oder anderen Materialien errichtet. Das Dach muss mit Zweigen oder Laub (z. B. Palmwedeln) bedeckt sein und so dünn, dass Regen hindurchdringt – als Zeichen der Verbundenheit mit Natur und göttlichem Schutz.
  • Wohnen in der Sukka: Traditionell wird in der Sukka gegessen, geschlafen und Zeit verbracht. Selbst in modernen Städten bauen viele Juden eine Sukka auf Balkonen oder in Gärten.

2. Der Feststrauß (Lulav und Etrog)

Ein zentrales Ritual ist das Schwenken des Feststraußes (Lulav), der aus vier Pflanzen besteht:

  • Lulav: Ein Palmzweig (Symbol für den Menschen, der nach oben strebt).
  • Hadas: Drei Myrtenzweige (Symbol für die Augen – sie haben ein gutes Aroma, aber keinen Geschmack).
  • Arawa: Zwei Weidenzweige (Symbol für die Lippen – sie haben weder Geschmack noch Geruch).
  • Etrog: Eine Zitrone (Symbol für das Herz – sie hat sowohl Geschmack als auch Geruch).
    Der Strauß wird täglich in der Synagoge in alle sechs Richtungen (Himmelsrichtungen + oben/unten) geschwenkt, um Gottes Gegenwart in der gesamten Schöpfung zu würdigen.

3. Weitere Bräuche

  • Gebete: Besonders am Hoschana Rabba (7. Tag von Sukkot) werden intensive Bitten um Regen für das kommende Jahr gesprochen.
  • Freudenfeste: In alter Tradition wurde Sukkot mit Tanz und Gesang gefeiert – heute ist es ein Fest der Gemeinschaft und Freude.

Sukkot ist ein Fest, das Dankbarkeit, Gemeinschaft und Vertrauen feiert. In einer Zeit, die oft von Materiellem bestimmt ist, erinnert die Sukka daran, dass wahre Sicherheit nicht in Mauern, sondern in Zusammenhalt und Glauben liegt.
Möge dieses Fest für alle, die es feiern, eine Zeit der Freude, der Besinnung und der Verbundenheit sein – Chag Sameach!

Einige Ideen für die Besprechung im Unterricht finden Sie auch hier: Sukkot - Dankbarkeit, Gemeinschaft und Vertrauen feiern

Gedenken an die Reichspogromnacht

09.-10. November 2026

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im gesamten Deutschen Reich Synagogen und jüdische Einrichtungen. Menschen wurden getötet, gedemütigt, verhaftet, misshandelt und vergewaltigt, Geschäfte und Wohnungen demoliert und zerstört. Sturmtrupps von SA und SS überfielen jüdische Geschäfte und Synagogen – unter Mithilfe und vor den Augen der deutschen Bevölkerung.

Was geschah?

Als Vorwand diente der NS-Propaganda das Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan auf den deutschen Botschaftssekretär Ernst vom Rath in Paris – hinter dem Angriff auf jüdische Kultstätten und Geschäfte verbarg sich jedoch ein beispielloser staatlich organisierter Raubzug, an dem sich auch die Zivilbevölkerung bereicherte. Es sollte wie spontaner „Volkszorn“ aussehen – tatsächlich war die als „Reichskristallnacht“ verklärte Zerstörung Teil einer geplanten antisemitischen Kampagne.

Zahlen und Folgen: Über 7.500 jüdische Geschäfte wurden zerstört, rund 267 Synagogen in Brand gesetzt, etwa 91 Menschen wurden unmittelbar getötet – Hunderte starben an den Folgen – und 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die jüdischen Gemeinden wurden zudem per „Judenvermögensabgabe" zur Zahlung einer Milliarde Reichsmark gezwungen.

Warum der Begriff „Reichspogromnacht" statt „Reichskristallnacht"?

Der alte Begriff „(Reichs-)Kristallnacht" wird heute als zynisch und euphemistisch kritisiert, weil er suggeriert, es seien nur Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Stattdessen haben sich Begriffe wie Reichspogromnacht, Pogromnacht oder Novemberpogrome durchgesetzt – auch der Ausdruck „Pogrom" wird allerdings kontrovers diskutiert, weil er die staatliche Planung und Lenkung der Gewalt ausblenden kann.

Historische Bedeutung

Der 9. November 1938 markiert die Zäsur der NS-Judenpolitik: den Übergang von der seit 1933 betriebenen Diskriminierung und Ausgrenzung hin zur systematischen Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung. Viele Betroffene hielten die Pogrome damals für den Höhepunkt des Schreckens – doch es war erst der Anfang.

Impulse für den Unterricht finden Sie hier: Gedenken zur Reichspogromnacht

Chanukkah

04. Dezember - 12. Dezember 2026

Chanukka (hebräisch: חֲנֻכָּה) ist ein achttägiges Fest, das auch Lichterfest genannt wird. Es erinnert an die Wiedereinweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v. u. Z., nachdem die Makkabäer die griechisch-syrischen Besatzer (Seleukiden) besiegt hatten. Im Mittelpunkt steht das „Ölwunder“: Bei der Tempelweihe fand sich nur noch ein einziger Krug reinen Öls, das eigentlich nur für einen Tag reichte – doch das Licht der Menora brannte acht Tage lang, bis neues Öl hergestellt war.

Chanukka beginnt am 25. Tag des jüdischen Monats Kislew und dauert acht Tage. Das Fest fällt im gregorianischen Kalender meist in den Dezember (um die Adventszeit), manchmal auch schon Ende November. Im Jahr 2026 wird Chanukka gefeiert von Freitag, 4. Dezember (abends) bis Samstag, 12. Dezember 2026.

Chanukka feiert die Religionsfreiheit und den Triumph des Glaubens über die Unterdrückung. Die Geschichte erzählt von einem kleinen Volk, das sich gegen die Zwangshellenisierung wehrte und seine religiöse Identität verteidigte. Das Anzünden der Lichter ist zugleich ein öffentliches Bekenntnis: Traditionell steht die Chanukkia am Fenster, um das Wunder zu verkünden und an den göttlichen Schutz zu erinnern.

Bräuche und Symbole

1. Die Chanukkia (Chanukka-Leuchter)
  • Das wichtigste Symbol ist die Chanukkia: ein achtarmiger Leuchter mit einer zusätzlichen, erhöhten Kerze – dem Schamasch („Diener“), mit dem die anderen Lichter entzündet werden.
  • Jeden Abend kommt ein Licht dazu: Am ersten Tag brennt eine Kerze, am achten Abend leuchten alle acht – als Erinnerung an das Ölwunder.
  • Die Lichter werden traditionell bei Einbruch der Dunkelheit entzündet; am Freitagabend vor den Schabbat-Kerzen, am Samstagabend erst nach der Hawdala.
2. Frittierte Speisen
  • In Anlehnung an das Ölwunder werden Speisen in Öl frittiert: Latkes (Kartoffel-Reibekuchen) und Sufganiot(gefüllte Krapfen) gehören zu den beliebtesten Chanukka-Gerichten.
3. Familie, Lieder und Geschenke
  • Chanukka ist ein Freudenfest: Familien und Freunde versammeln sich, Lieder werden gesungen, Spiele gespielt – und Kinder erhalten kleine Geschenke oder Geld.

Möge Chanukka für alle, die es feiern, eine Zeit der Freude, der Gemeinschaft und des Lichts sein – Chag Chanukka Sameach!

Quellen
Pessach

https://www.jmberlin.de/thema-pessach, zuletzt aufgerufen 12. März 2026.

https://www.youtube.com/watch?v=UQdPXYmrRRY, zuletzt aufgerufen 12. März 2026.

https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/s/sedermahl, zuletzt aufgerufen 12. März 2026.

https://www.religionen-entdecken.de/lexikon/h/haggada, zuletzt aufgerufen 12. März 2026.

Shawuot

https://www.jmberlin.de/thema-schawuot, zuletzt aufgerufen 28. März 2026.

Yom HaShoah
Rosch HaSchana